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Landesehrennadel für Ernst Blickle

    Die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg wird vom Ministerpräsidenten als Dank und Anerkennung für Bürger des Landes verliehen, die sich durch langjährige ehrenamtliche Tätigkeiten in Vereinen und Organisationen mit kulturellen, sportlichen oder sozialen Zielen um die Gemeinschaft besonders verdient gemacht haben.

    Die Voraussetzungen für eine solch hohe Ehrung erfüllte der 91 Jahre alte Ernst Blickle aus Wilhelmsdorf in hohem Maße. Die Landesehrennadel steckte ihm Landrat Harald Sievers an, übrigens erstmals in seiner Zeit als Landrat des Kreises Ravensburg.

    Der Bürgersaal in Wilhelmsdorf war voll, Familie und zahlreiche Menschen, die sich Ernst Blickle verbunden fühlen, freuten sich auf diesen Ehrentag ihres langjährigen Wegbegleiters. In der Begrüßung durch Bürgermeisterin Sandra Flucht bezog diese den Geehrten aktiv ein. Er durfte mit den von ihm maßgeblich entwickelten Gebärden die Festversammlung darauf einstimmen, was an diesem späten Nachmittag passierte.

    Sandra Flucht blieb es vorbehalten, den Menschen Ernst Blickle zusammenfassend zu würdigen. „Er war ein Brückenbauer.“ Mit seinem Weitblick, seiner Güte und Fürsorge habe er es geschafft, die Menschen miteinander zu verbinden. Das habe sich ganz besonders in der Kommunalpolitik, der Behindertenhilfe und im Betreuungsverein gezeigt. Die Bürgermeisterin ging zunächst auf das kommunalpolitische Wirken von Ernst Blickle ein. Dieser wurde 1968 erstmals in den Gemeinderat gewählt. Diesem Gremium gehörte er bis 1999 an. Zwischen 1984 und 1989 bekleidete er das Amt des Ersten stellvertretenden Bürgermeisters. Im selben Zeitraum war er Ortsvorsteher von Wilhelmsdorf, als es dieses Gremium noch gab. Der frühere Bürgermeister von Wilhelmsdorf, Bernd Schick, erinnerte in einem Schreiben an die schwierigen Zeiten, als die damals selbstständigen Gemeinden Wilhelmsdorf, Zußdorf, Esenhausen und Pfrungen zur Einheitsgemeinde Wilhelmsdorf verschmolzen. „Damals war Blickle der rechte Mann am rechten Platz. Er war Brückenbauer in jeder Hinsicht.“ Mit seinem Weitblick sei er eine starke Säule in der Gemeindepolitik gewesen. „Er war ein Gemeinderat, wie man sich dies für eine Gemeinde nur wünschen kann“, fasste Schick das kommunalpolitische Wirken Blickles in seiner Erinnerung zusammen. Bürgermeisterin Flucht zu dieser Einschätzung: „Wir alle haben größten Respekt vor Ihrem Lebenswerk hier in Wilhelmsdorf.“

    Ebenso eindrucksvoll hinterließ Blickle in seinem Berufsleben einprägsame Spuren. Diesen Teil seines Lebenswerks zeichnete Gottfried Heinzmann nach, Vorstandsvorsitzender des Sozialunternehmens Die Zieglerschen. Der Geehrte habe in der Behindertenhilfe Pionierarbeit für neue Kommunikationsmöglichkeiten für Menschen mit hör-, sprach- und geistiger Behinderung geleistet. Die von ihm gesammelt und entwickelten Gebärden seien wegweisend auf diesem Gebiet gewesen. Er habe sich unermüdlich dafür eingesetzt, dass sich Menschen mittels der Gebärden mit den Menschen mit Behinderung verständigen können. In den Gottesdiensten der Brüdergemeinde hat die Beteiligung der behinderten Gläubigen durch die Gebärden Eingang gefunden. Diese Form der Inklusion sei in Wilhelmsdorf gelebter Alltag, hieß es in der Begründung für die Auszeichnung. „Sie haben Menschen Kommunikation ermöglicht“, sagte Heinzmann voller Anerkennung.

    Nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben legte Ernst Blickle die Hände nicht in den Schoß. Er übernahm ab 1994 im neu gegründeten Betreuungsverein Verantwortung. Zunächst als stellvertretender Vorsitzender und dann von 2002 bis 2017 als Vorsitzender dieser Organisation, die sich in erster Linie für die gesetzliche Betreuung behinderter Menschen einsetzt. Blickles Nachfolger im Amt, Manfred Blank, würdigte den hohen zeitlichen Aufwand, den Blickle nicht scheute. Immerhin stieg die Zahl der Betreuten von zunächst 114 auf rund 165. In all den Jahren seiner Verantwortung für den Betreuungsverein habe der Geehrte täglich mehrere Stunden im Büro verbracht und aufwändige Verwaltungsarbeit erledigt. Darüber hinaus habe er Menschen mit Behinderung zu Arzt- und Krankenhausbehandlungen persönlich begleitet und viele der Betreuten in ihren Wohnungen besucht.

    Blank hob hervor, dass durch die Übernahme der Verwaltungsarbeit die anderen ehrenamtlichen Mitarbeiter sich in erster Linie um die persönlichen Kontakte mit den Betreuten kümmern konnten. „Diese Besonderheit der Betreuungspaten ist bis heute ein Alleinstellungsmerkmal für den Verein.“ Das Fazit von Manfred Blank lautete: „Wir brauchen mehr Blickles in dieser Gesellschaft.“ Patricia Huß, Geschäftsführerin des Betreuungsvereins, schilderte eindrücklich ihre Zusammenarbeit mit ihrem damaligen Chef. Er habe sie behutsam an alle Aufgaben herangeführt. Im Mittelpunkt sei immer gestanden, den Willen der Betreuten herauszufinden und zu erfüllen.

    Landrat Harald Sievers sagte in seiner Verleihungsrede drei Mal Danke. Zum einen für Blickles langjährige kommunalpolitische Verantwortung in der Gemeinde Wilhelmsdorf. Zum Zweiten für sein überaus großes Engagement in der Behindertenhilfe. Er habe mit den Gebärden revolutionären Ideen zum Durchbruch verholfen. „Sie haben damals die Dinge auf den Kopf gestellt. Ich ziehe den Hut vor Ihnen.“ Drittens sei es eine eindrucksvolle Leistung in der Betreuungsarbeit, die Blickle auszeichne. „Sie leisteten damit einen beachtlichen Beitrag für den Inklusionsgedanken in der Gemeinde Wilhelmsdorf.“ Nachdem Ernst Blickle die Auszeichnung entgegennahm bedankte er sich in bewegten Worten für diese Ehrung. „Die Kraft für das alles erhielt ich durch meine Familie und den Herrn.“

    Untermalt wurde die Feier durch Musikstücke der Gruppe Die Rotachtaler und der Tanzgruppe aus der Bewegungswerkstatt der Sportkooperation TSG Wilhelmdorf/Die Zieglerschen.

    Text und Foto: Herbert Guth

     

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