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Gemeinde Wilhelmsdorf

Landtagsabgeordnete Anna Wiech informiert sich bei Miteinander-Füreinander über ehrenamtliche Angebote

 „Das ist ein unbezahlbarer Schatz, den Sie hier in Ihrer Gemeinde haben.“ Mit diesen Worten würdigte die Landtagsabgeordnete Anna Wiech das Engagement des Fördervereins Miteinander-Füreinander bei ihrem Besuch in Wilhelmsdorf. Die Abgeordnete, die den Wahlkreis Ravensburg-Tettnang vertritt und dem Ausschuss für Soziales, Arbeit und Gesundheit angehört, wollte sich bei ihrer Sommertour ein Bild von den Angeboten und den Herausforderungen des Vereins machen. 

 

Vorsitzende Rose Marie Duelli und die Verantwortlichen der verschiedenen Dienste nutzten den zweieinhalbstündigen Austausch, um die vielfältigen Aufgaben des Vereins vorzustellen. Dabei wurde deutlich: Miteinander-Füreinander ist längst weit mehr als ein klassischer Nachbarschaftshilfeverein. 345 Mitglieder gehören dem Verein an. Seine Wurzeln reichen bis zum 1914 gegründeten Krankenpflegeverein zurück, aus dem Miteinander-Füreinander 1999 hervorgegangen ist. Damals wurde das Aufgabenspektrum bewusst erweitert: Neben der Unterstützung kranker Menschen sollten zunehmend auch Begleitung im Alltag, soziale Kontakte und praktische Hilfen angeboten werden. 

 

„Wir sind sehr gut vernetzt mit der Gemeinde. Unser Informationsfluss erleichtert unsere Arbeit hervorragend“, betonte Rose Marie Duelli. Die Zusammenarbeit mit allen Bereichen der Gemeinde sei für die Vereinsarbeit unabdingbar. Bürgermeisterin Sandra Flucht ist kraft Amtes Mitglied im Vorstand und unterstützt beziehungsweise organisiert zahlreiche soziale Aktivitäten.

Wie vielfältig diese Zusammenarbeit inzwischen ist, zeigte sich bei der Vorstellung der einzelnen Angebote, dargeboten von Kassier Adolf Huber. 

Ein wichtiges Standbein ist die Nachbarschaftshilfe. Im vergangenen Jahr wurden dabei insgesamt 2278 Einsatzstunden geleistet, davon 2240 Stunden im Rahmen der Angebote zur Unterstützung im Alltag. Hinzu kamen Fortbildungen und Teamsitzungen. 

Die 23 Helferinnen und Helfer unterstützen ältere und hilfebedürftige Menschen beispielsweise beim Einkaufen, bei Arztbesuchen, im Haushalt, bei Spaziergängen oder leisten Gesellschaft. Sie helfen Familien bei der Betreuung Angehöriger und schaffen damit Freiräume für pflegende Angehörige. Die Einsatzbereiche reichen dabei von hochaltrigen Menschen, die weiterhin selbstständig zu Hause leben möchten, bis hin zu Familien mit behinderten Kindern oder Menschen, die im Pflegeheim leben und kaum Besuch erhalten. 

 

Wie wichtig dieses Angebot ist, zeigen auch die aktuellen Zahlen: Von den 28 von der Nachbarschaftshilfe unterstützten Personen hatten 26 einen Pflegegrad. 25 der 28 Menschen waren in höherem oder hohem Maße pflege- oder unterstützungsbedürftig. 

Seit Anfang 2022 gibt es außerdem den sozialen Fahrdienst. Zehn Fahrer und eine Fahrerin ermöglichen älteren, körperlich beeinträchtigten oder anderweitig bedürftigen Menschen mehr Mobilität. Gefahren wird zum Einkaufen, zu Dienstleistungen, auf den Friedhof, zur Kirche oder zu Veranstaltungen. Arztfahrten sind im Umkreis von bis zu 50 Kilometern möglich. Auch ungewöhnliche Wünsche werden, wenn es die Möglichkeiten erlauben, erfüllt: Ein gemeinsamer Ausflug zum Kaffeetrinken oder ein Besuch in Meersburg kann für Menschen, deren Bewegungsradius ansonsten sehr klein geworden ist, zu einem besonderen Erlebnis werden.

 

Ganz neu ist der Ämter-Lotse. Der pensionierte Beamte Edgar Müller stellt sein berufliches Wissen künftig Menschen zur Verfügung, die sich im Kontakt mit Behörden, Versicherungen, Banken oder Krankenkassen überfordert fühlen. Er hilft bei der Suche nach zuständigen Stellen, beim Beschaffen von Unterlagen, beim Ausfüllen von Anträgen oder beim Umgang mit Bescheiden. Der neue Dienst soll eine Lücke schließen und das bestehende Hilfsangebot ergänzen.

 

Ein weiterer Schwerpunkt ist das Reparaturcafé. Seit November 2025 wurden bis Juli dieses Jahres laut Sprecher Wieland Haney bereits 216 Reparaturen durchgeführt. Besonders häufig wurden Elektrogeräte repariert (102 Fälle), gefolgt von Textilien (37), Computern und Smartphones (24) sowie Fahrrädern (19). In der Regel kommen zwischen 20 und 35 Besucher zu den Terminen. Rund 62 Prozent der Reparaturversuche waren erfolgreich. Das Konzept verbindet damit praktischen Nutzen, Nachhaltigkeit und Begegnung.

Anna Wiech zeigte sich beeindruckt von der Bandbreite der Angebote. „Ich möchte mich für Ihr Engagement im Verein herzlich bedanken“, sagte sie. Die bestehenden Strukturen seien ausgesprochen wertvoll, um die Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft zu bewältigen. Sie wolle sich auch im Landtag dafür einsetzen, dass solche Strukturen weiterhin unterstützt werden. „Dieses bürgerschaftliche Engagement wie hier in Wilhelmsdorf muss auch künftig gestärkt werden.“

 

Auch über Rahmenbedingungen wurde gesprochen. Die 2024 geänderte Unterstützungsangebote-Verordnung habe sich aus Sicht der Nachbarschaftshilfe bewährt. Weniger Bürokratie, mehr Eigenverantwortung und größere Spielräume für ehrenamtlich Tätige würden die Arbeit erleichtern. Gleichzeitig sieht Einsatzleiterin Gabriele Mayer weiteren Entwicklungsbedarf bei der Beratung von Senioren und pflegenden Angehörigen. 

Damit steht für Miteinander-Füreinander nicht nur die Vergangenheit im Mittelpunkt. Der Verein will seine Angebote weiterentwickeln und auf neue gesellschaftliche Herausforderungen reagieren.

 

Bei „Miteinander – Füreinander“ bleibt Programm: Menschen sollen möglichst lange selbstbestimmt leben können – und wissen, dass sie in ihrer Gemeinde nicht allein sind.“

 

Text und Foto: Herbert Guth