Millionen für die Feuerwehr – Startschuss für Schulplanung

Mit einer einstimmigen Entscheidung hat der Gemeinderat Wilhelmsdorf den Weg für den Neubau eines zentralen Feuerwehrhauses freigemacht. Die aus dem Länder- und Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz (LuKiFG) bereitgestellten 3,319 Millionen Euro sollen vollständig in das seit Jahren geplante Projekt an der Rotachsäge investiert werden. Eine große Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr verfolgte die Beratung im Sitzungssaal und quittierte den Grundsatzbeschluss mit lang anhaltendem Applaus. Gleichzeitig machte der Gemeinderat deutlich, dass der ebenfalls dringend notwendige Neubau der Otto-Lilienthal-Realschule nicht aus dem Blick gerät.
Bereits in ihrer Einführung machte Bürgermeisterin Sandra Flucht deutlich, wohin die Entscheidung führen sollte. Das Länder- und Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz möge zwar sperrig klingen, entfalte für Wilhelmsdorf aber eine enorme Wirkung. Mit den Mitteln könnten wichtige Investitionen in Bevölkerungsschutz, Bildung, Verkehrsinfrastruktur oder Digitalisierung finanziert werden. „Unsere Aufgabe heute ist es, zu entscheiden, wofür wir diese Mittel einsetzen wollen.“
Für Flucht ist die Förderzusage weit mehr als ein finanzieller Glücksfall. „Für mich ist das eine historische Chance“, sagte sie. Es zahle sich aus, Planungen über Jahre konsequent voranzutreiben. Seit dem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats im Jahr 2017 sei das Ziel verfolgt worden, die vier Feuerwehrabteilungen an einem gemeinsamen Standort zusammenzuführen. Bedarfsermittlung, Planungen und Grundstück seien inzwischen weitgehend vorbereitet. „Wir sind bereit“, betonte die Bürgermeisterin. Gemeinsam mit Bauhof, Rettungsdienst und perspektivisch einem Ärztehaus entstehe an der Rotachsäge ein leistungsfähiges Zentrum für den Bevölkerungsschutz. Das Projekt sei ihr seit ihrem Amtsantritt ein persönliches Herzensanliegen.
Zugleich warb Flucht dafür, die Realschule nicht als Verliererin der Entscheidung zu sehen. Das in die Jahre gekommene Schulgebäude brauche ohne Zweifel einen Ersatzneubau. Allerdings dauern Schulbauförderverfahren erfahrungsgemäß vier bis fünf Jahre. Würden die LuKiFG-Mittel bis dahin gebunden, verliere ihre Kaufkraft Jahr für Jahr erheblich. Deshalb sei jetzt der richtige Zeitpunkt, zunächst die Feuerwehr zu verwirklichen und gleichzeitig die konkreten Planungen für den Realschulneubau zu starten. „Das ist ein entscheidender Schritt für die Realschule“, sagte Flucht.
Kämmerer Stephan Gerster hatte in seiner Sitzungsvorlage ausführlich dargelegt, warum die Verwaltung den Neubau des Feuerwehrhauses empfiehlt. Die Gemeinde könne die Landesmittel nur einmal einsetzen. Für das Feuerwehrhaus seien Planungen weit fortgeschritten, der Standort vorbereitet und zusätzliche Förderungen aus Feuerwehrförderung und Ausgleichstock realistisch. Dadurch lasse sich das Projekt bereits ab 2028 verwirklichen. Für den Ersatzneubau der Realschule seien dagegen zunächst umfangreiche Förderverfahren erforderlich, sodass ein Baubeginn frühestens Anfang der 2030er Jahre erwartet werde.
In der Aussprache überwog deshalb klar die Zustimmung. Ortsvorsteher Thomas Schädler aus Zußdorf unterstützte zwar die vorgeschlagene Reihenfolge, mahnte jedoch an, die Realschule nicht zu vergessen. Vor allem die Toiletten seien „unterirdisch“ und müssten unabhängig von einem späteren Neubau rasch saniert werden. Christof Bühler sprach sich dafür aus, beim Feuerwehrhaus nicht die kleinste, sondern die erweiterte Variante weiterzuverfolgen. Die Gemeinde erfülle mit der Feuerwehr eine Pflichtaufgabe. Angesichts wachsender Anforderungen durch Bevölkerungsschutz, Extremwetter und Klimafolgen müsse die Wehr zukunftsfähig aufgestellt werden. Für Klaus Germann fügt sich die Entscheidung in den bewährten „Wilhelmsdorfer Weg“ ein. Die Gemeinde erkenne wichtige Zukunftsprojekte frühzeitig, bereite sie sorgfältig vor und könne dann handeln, wenn sich unerwartet Fördermöglichkeiten eröffneten. Genau dies sei nun der Fall.
Mit dem Grundsatzbeschluss beginnt nun die nächste Phase. Die Verwaltung wird die Planungen für das zentrale Feuerwehrhaus fortführen und die Förderanträge vorbereiten. Parallel dazu soll die Bedarfserhebung für den Ersatzneubau der Realschule starten – damit Wilhelmsdorf auch bei deinem hoffentlich kommenden nächsten großen Förderprogramm wieder handlungsfähig ist.
Text und Foto: Herbert Guth