Nach 88 Jahren schließt eine Wilhelmsdorfer Institution

Ein Leben für die Blumen. Aber Gärtnerei Schelshorn gibt Blumengeschäft und Pflanzenzucht auf. Grabpflege und Blumenautomat bleiben erhalten.
Als Ende Juni die Türen der Gärtnerei Schelshorn an der Esenhauser Straße endgültig schlossen, endete ein Stück Wilhelmsdorfer Geschichte. Nach 88 Jahren verabschiedete sich eines der traditionsreichsten Familienunternehmen der Gemeinde aus dem Blumenverkauf und der eigenen Pflanzenproduktion. Für viele Kunden ist die Gärtnerei weit mehr gewesen als ein Geschäft. Sie war über Generationen hinweg Anlaufstelle für Blumen zu freudigen wie traurigen Anlässen und ein Ort persönlicher Begegnungen.
„Es war eine wertvolle, kurzweilige und sehr schöne Zeit“, sagt Inhaber Andreas Schelshorn. Wehmut schwingt mit, wenn der 63-Jährige auf fast fünf Jahrzehnte im Beruf zurückblickt. „Ich bin seit 48 Jahren mit Freude Gärtner. Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man eine Entscheidung treffen muss.“
Die Gründe liegen nicht allein im Alter. Bereits vor zwei Jahren machten gesundheitliche Probleme deutlich, dass die Zukunft des Betriebs neu überdacht werden musste. Gleichzeitig hätten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend verändert. Seit der Corona-Pandemie seien insbesondere die Energiepreise stark gestiegen. Hinzu komme ein verändertes Kaufverhalten. „Blumen sind ein traumhaft schönes Produkt, aber sie kosten eben auch Geld“, sagt Schelshorn. Um den Betrieb langfristig konkurrenzfähig weiterzuführen, wären erhebliche Investitionen notwendig gewesen. „Mit 63 Jahren muss ich mir das nicht mehr antun.“
Dass es innerhalb der Familie keinen Nachfolger geben würde, war schon seit Jahren klar. Gemeinsam mit seiner Frau Sabine und der Familie fiel deshalb der Entschluss, das Blumengeschäft und die Pflanzenproduktion zum 30. Juni zu beenden.
Ganz verschwinden wird der Name Schelshorn aus Wilhelmsdorf allerdings nicht. Die Grabpflege auf den Friedhöfen möchte Andreas Schelshorn gemeinsam mit einem langjährigen Freund weiterführen. Dafür werden in einem Gewächshaus auch künftig Jungpflanzen für die Grabbepflanzung herangezogen. Seine Frau Sabine wird außerdem weiterhin den gut angenommenen Blumenautomaten an der Esenhauser Straße bestücken. „Dieses Angebot ist ein Erfolg und wird von den Menschen sehr geschätzt“, freut sich Schelshorn.
In den Gewächshäusern herrschte dieser Tage dennoch Abschiedsstimmung. Bis zum letzten Verkaufstag lief ein großer Abverkauf. Gleichzeitig richtet Andreas Schelshorn den Blick dankbar zurück. Besonders hebt er seine Schwester Angelika Schleime hervor, die bereits ein Jahr vor ihm in den Betrieb eingetreten war und jahrzehntelang als gelernte Floristin eine tragende Säule des Familienunternehmens bildete. Auch seiner Frau Sabine und den weiteren Mitarbeiterinnen gilt sein Dank. „Ohne sie wäre der Erfolg unseres Betriebs nicht möglich gewesen.“
Die Geschichte der Gärtnerei reicht bis ins Jahr 1938 zurück. Damals gründete Friedrich Laitenberger an der Esenhauser Straße einen kleinen Gemüsebaubetrieb mit Blumenladen. Seine Familie gehörte zu den frühen Siedlern Wilhelmsdorfs. Neben Gemüse verkaufte Laitenberger Schnittblumen und belieferte unter anderem das „Bräuhaus“ in Zußdorf.
Eine entscheidende Wende brachte das Jahr 1960. Tochter Elfriede hatte während ihrer Tätigkeit als Floristin in Miesbach den Oberbayern Sepp Schelshorn kennengelernt. Nach der Hochzeit übernahm dieser den Betrieb und baute ihn konsequent aus. Ein größeres Ladengeschäft entstand ebenso wie moderne Gewächshäuser. Neben Blumen und Beet Pflanzen entwickelte sich die Grabpflege zu einem zweiten wichtigen Standbein.
1988 übernahm Sohn Andreas den Betrieb. Nach seiner Ausbildung zum Zierpflanzengärtner, Stationen in Ravensburg und Pfullendorf, dem Meisterabschluss in Hohenheim und einem Wanderjahr brachte er neue Ideen mit nach Wilhelmsdorf. Bereits ein Jahr später wurde das Ladengeschäft deutlich erweitert. 1998 und 2004 entstanden weitere moderne Gewächshäuser, teilweise mit emissionsarmer Gasheizung. Gleichzeitig entwickelte sich die Floristik und die Eigenproduktion von Beet- und Balkonpflanzen zu den Markenzeichen des Unternehmens. Er gehörte 15 Jahre dem Gemeinderat an, war vier Jahre stellvertretender Bürgermeister und leitete elf Jahre die DRK-Bereitschaft Wilhelmsdorf.
Auch für das Betriebsgelände gibt es bereits Pläne. Ein Gewächshaus wird abgebaut. Dort wird der Sohn der Familie ein Wohnhaus errichten. „Ich habe meine ganze Familie um mich herum – das war immer mein Wunsch“, sagt Schelshorn. Auch die Tochter hat hier ihr Eigenheim. Gleichzeitig betont er, dass sämtliche Grundstücke in Familienbesitz bleiben. Spekulationen über größere Bauprojekte erteilt er damit eine klare Absage.
Mit dem Ende des Blumengeschäfts verschwindet eine Adresse, die Generationen von Wilhelmsdorfern begleitet hat. Der Name Schelshorn bleibt dennoch eng mit der Gemeinde verbunden – nicht zuletzt durch das von Vater Sepp Schelshorn aufgebaute Museum für bäuerliches Handwerk und Kultur, das weit über die Region hinaus bekannt ist.
Und auch wenn künftig keine Geranien und Sommerblumen mehr aus den Gewächshäusern verkauft werden, bleibt eines bestehen: die Erinnerung an fast neun Jahrzehnte Gärtnerleidenschaft.
Text und Foto: Herbert Guth