Neue Kreisstraßen stärken die Verbindung zwischen Wilhelmsdorf und Esenhausen

Nach langer Planung und weniger als eineinhalb Jahren Bauzeit sind die K 7969 und K 7970 fertiggestellt – Rund sieben Millionen Euro investiert
Mit einer Feierstunde und der offiziellen Verkehrsfreigabe ist am Montag der Ausbau der Kreisstraßen K 7969 und K 7970 zwischen Wilhelmsdorf und Esenhausen abgeschlossen worden. Rund 100 Gäste, darunter zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus Esenhausen, nahmen an der Veranstaltung teil. Die neue Straßenverbindung soll die Verkehrsverhältnisse verbessern, die Sicherheit erhöhen und zugleich die Erreichbarkeit wichtiger Einrichtungen und Gewerbeflächen stärken. Die Planungen für das Projekt hatten 2018 begonnen. Nach Informationsveranstaltungen und Beratungen über unterschiedliche Varianten starteten die Bauarbeiten 2025. Im Oktober 2026 konnte die Verbindung nun freigegeben werden. Parallel zum Straßenbau wurde ein Flurbereinigungsverfahren durchgeführt.
Bessere Sicht und mehr Sicherheit
Die neue Hauptstrecke umfasst 1,8 Kilometer, hinzu kommen rund 700 Meter Anschlussstrecken. Ein wesentlicher Bestandteil ist die neue Brücke über die Rotach. Außerdem wurde ein rund 700 Meter langer straßenbegleitender Radweg angelegt. Barrierefreie Bushaltestellen verbessern den Zugang zum öffentlichen Nahverkehr.
Die neue Trasse schafft bessere Sichtverhältnisse und ermöglicht durch einen angepassten Straßenquerschnitt den Begegnungsverkehr. Auch die Anbindung der angrenzenden Straßen wurde neu geordnet. Für Fußgänger und Radfahrer bedeutet die zusätzliche Infrastruktur mehr Sicherheit.
Landrat Harald Sievers verwies bei der Freigabe auf die besondere Konstruktion der Rotachbrücke. Die Kosten für das Bauwerk liegen bei 540.000 Euro und damit bei mehr als einer halben Million Euro. Die Brücke ist ein wesentlicher Bestandteil des insgesamt rund sieben Millionen Euro teuren Straßenbauprojekts.
Bedeutung für Feuerwehr und Rettungsdienst
Sowohl Landrat Sievers als auch Bürgermeisterin Sandra Flucht betonten die Bedeutung der neuen Verbindung für die örtliche Gefahrenabwehr. Mit dem geplanten gemeinsamen Feuerwehrhaus am Bauhof und der vorgesehenen neuen Rettungswache des DRK entstehen wichtige Einrichtungen für den Bevölkerungsschutz. Eine leistungsfähige Straßenanbindung ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Einsatzkräfte ihre Ziele möglichst schnell erreichen können.
Für Flucht war das Feuerwehrhaus ein wichtiger Ausgangspunkt der Überlegungen. Seit 2017 sei die Gemeinde mit dem Landkreis wegen des Neubaus im Gespräch gewesen. Der Standort neben dem Bauhof sei zentral gelegen, allerdings habe eine geeignete Zufahrt gefehlt. Der bisherige Weg zur Rotachsäge sei zu schmal und unübersichtlich gewesen.
Die neue Straße bringt nach Einschätzung der Bürgermeisterin weitere Vorteile: Gewerbebetriebe erhalten eine leistungsfähigere Anbindung, die Landwirtschaft profitiert von einer breiteren Fahrbahn für größere Maschinen. Fußgänger und Radfahrer gewinnen durch zusätzliche Radwege und eine Ampelanlage an Sicherheit. Auch der wiederkehrende Aufwand für die Reparatur beschädigter Straßenränder am Seehaldenweg gehört der Vergangenheit an.
Belastende Bauzeit für die Bevölkerung
Wie sehr die Bauarbeiten den Alltag beeinflusst haben, schilderte Ortsvorsteherin Sabrina Trebs. Zeitweise hätten sich die Menschen in Esenhausen wegen der vielen Umleitungen wie auf einer Halbinsel gefühlt. Neben den Arbeiten an den Kreisstraßen wurde in Wilhelmsdorf, Zußdorf, Pfrungen und Hasenweiler gebaut; zusätzlich fand der Breitbandausbau statt.
Für die Gemeindeverwaltung sei es nicht immer einfach gewesen, bei den unterschiedlichen Bauträgern und Baufirmen den Überblick über Sperrungen und Umleitungen zu behalten und die Bevölkerung rechtzeitig zu informieren. Auch die Gewerbetreibenden im Gebiet Untere Luß hätten Einschränkungen erlebt, weil Kunden nicht immer den richtigen Weg fanden. Das Busunternehmen musste seine Fahrpläne mehrfach anpassen. Der normalerweise weniger stark befahrene Moosweg wurde zeitweise zur Ausweichstrecke, insbesondere an Wochenenden mit geöffnetem Recyclinghof.
Trebs dankte den Anwohnern und Gewerbetreibenden für Verständnis, Flexibilität und Geduld. Ebenso würdigte sie die Arbeit der beteiligten Verwaltungen, Planer, Ingenieure, Baufirmen und Baustellenmitarbeiter. Ihr Fazit zur Fertigstellung lautete: „Geschafft! Wir sind wieder mit dem Festland verbunden!“
Grundstückseigentümer als wichtige Partner
Eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung war der Grunderwerb. Das parallel durchgeführte Flurbereinigungsverfahren umfasst 88 Hektar und 47 Eigentümer. Bürgermeisterin Flucht dankte den Grundstückseigentümern ausdrücklich für ihre Kooperationsbereitschaft. Der Grunderwerb sei Ende 2023 abgeschlossen worden.
Auch Landrat Sievers würdigte die Mitwirkung der Eigentümer, die das Straßenprojekt im Rahmen der Flurneuordnung konstruktiv mitgestaltet hätten. Die Umsetzung war auf die Zusammenarbeit zahlreicher Beteiligter angewiesen. Flucht dankte außerdem dem Gemeinderat für die Unterstützung des Vorhabens und die Bewilligung des gemeindlichen Kostenanteils. Auch die Abstimmung zwischen Verwaltung, Planern, Bauleitung und ausführender Firma trug zur Umsetzung bei.
Finanzierung von rund sieben Millionen Euro
Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich nach der vorliegenden Übersicht auf rund sieben Millionen Euro. Für die Straßenstrecke sind 6,14 Millionen Euro ausgewiesen, für die Brücke über die Rotach weitere 540.000 Euro. Für Maßnahmen im Gewerbegebiet ist ein kommunaler Kostenanteil von 320.000 Euro genannt.
Die Finanzierung verteilt sich laut Projektübersicht auf 3,38 Millionen Euro Eigenanteil des Landkreises Ravensburg und 505.000 Euro der Gemeinde Wilhelmsdorf. Hinzu kommt ein Zuschuss des Landes Baden-Württemberg in Höhe von rund 2,79 Millionen Euro.
Segnung und gemeinsamer Ausklang
Die neue Straße wurde bei der Feier von Pfarrer Norbert Graf und Pfarrer Magnus Weiger gesegnet. Der Musikverein Wilhelmsdorf-Esenhausen sorgte für die musikalische Umrahmung. Nach dem offiziellen Teil trafen sich die Gäste zum gemeinsamen Ausklang im Dorfgemeinschaftshaus Esenhausen.
Mit der Verkehrsfreigabe endet eine mehrjährige Planungs- und Bauphase. Die neue Verbindung verbessert die Erreichbarkeit zwischen Wilhelmsdorf und Esenhausen und soll langfristig zu mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer beitragen.
Text: Herbert Guth