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Gemeinde Wilhelmsdorf

Wilhelmsdorf will seine Stärken besser sichtbar machen

Gemeinde, Gewerbeverein und örtliche Betriebe entwickeln gemeinsam eine Marketingstrategie für den Einkaufsstandort

Wilhelmsdorf hat viel zu bieten. Doch wissen das auch die Menschen in der Umgebung? Und warum sollten Kunden aus dem Umland gerade nach Wilhelmsdorf kommen, um einzukaufen, Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen oder ihre Freizeit zu verbringen? Mit diesen Fragen haben sich Gemeinde, Gewerbeverein und örtliche Unternehmer in den vergangenen Monaten intensiv beschäftigt. Ziel ist eine gemeinsame Marketingstrategie, mit der die Stärken des Standorts künftig besser nach außen vermittelt werden sollen.

Den Anstoß dazu gab die sogenannte „Innenstadtberatung“ der Industrie- und Handelskammern. Das vom Land Baden-Württemberg geförderte Projekt unterstützt Gemeinden dabei, ihre Ortszentren als Wirtschaftsstandorte und Orte der Begegnung zu stärken. Auch kleinere Gemeinden können von der professionellen Beratung profitieren. Für Wilhelmsdorf übernahm IHK-Innenstadtberater Josef Röll die Begleitung. Die IHK beschreibt das Verfahren als gemeinsamen Prozess mit den örtlichen Akteuren, bei dem Stärken und Schwächen analysiert und daraus konkrete Zukunftsmaßnahmen entwickelt werden.

 

Erst einmal genau hinschauen

Am Anfang stand eine Bestandsaufnahme. Händler und weitere Gewerbetreibende wurden zu ihren Erfahrungen, Kunden, Stärken und Problemen befragt. 16 Betriebe nahmen an persönlichen Gesprächen teil, drei weitere beteiligten sich online. Dabei zeigte sich ein durchaus interessantes Bild.

Als besondere Stärke nannten die Befragten vor allem den Branchenmix und die Schulen, aber auch die sozialen Einrichtungen, das Naturschutzzentrum und das Pfrunger-Burgweiler Ried, die medizinische Infrastruktur, den Saalplatz und die gute Erreichbarkeit. Als Gründe, warum Kunden nach Wilhelmsdorf kommen, wurden insbesondere Beratung, Qualität, Nähe und Regionalität sowie Service genannt.

 

Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Standort seine Stärken noch besser nach außen tragen muss. Ein wichtiges Ziel wurde deshalb schnell formuliert: Mehr Besucher für die Wilhelmsdorfer Ortsmitte gewinnen und neue Kunden erschließen.

Dabei geht der Blick nicht nur auf die eigene Gemeinde. Ein erheblicher Teil der Kunden kommt bereits aus einem weiteren Umkreis. Künftig soll die Bekanntheit des Wilhelmsdorfer Angebots insbesondere im Umfeld von rund 20 bis 30 Kilometern gesteigert werden.

In den gemeinsamen Gesprächsrunden entstand schließlich eine zentrale Botschaft: Wilhelmsdorf verbindet auf engem Raum viele Angebote, die anderswo über größere Entfernungen verteilt sind. Einkaufen, Wohnen, Arbeiten, Schulen, medizinische Versorgung, Natur und Gemeinschaft liegen nah beieinander.

 

Grafikdesignerin Nathalie Fetscher entwickelte daraus mehrere kommunikative Ansätze. Ausgewählt wurde der Claim:

„Alles was zählt, auf kurzem Weg.“

Er soll künftig als gemeinsamer Auftritt des Wilhelmsdorfer Gewerbes dienen. Im Mittelpunkt steht damit nicht ein einzelnes Geschäft, sondern die Vielfalt des gesamten Standorts.

Bürgermeisterin Sandra Flucht sieht darin einen wichtigen Schritt: „Wir wollen mit dieser gemeinsamen Aktion von Gewerbeverein und der Gemeinde den Einzelhandel in Wilhelmsdorf stärken.“ Im Verlauf des Prozesses sei erneut deutlich geworden, „welche enorme Vielfalt unsere Gemeinde zu bieten hat“. Sie freue sich deshalb, dass nun mit vielen innovativen Ideen an die Arbeit gegangen werden könne.

 

Karikatur macht die Botschaft sichtbar

Ein besonders auffälliges Element der neuen Marketingstrategie ist eine großformatige Karikatur des Ravensburger Zeichners Rainer Weishaupt. Auf Anregung des örtlichen freien Journalisten Herbert Guth wurde der Karikaturist mit der Gestaltung beauftragt. Das Motiv soll Wilhelmsdorf auf einen Blick erkennbar machen und zugleich möglichst viele Facetten des Ortes miteinander verbinden.

Der Saalplatz wird als belebter Mittelpunkt dargestellt, dazu kommen Geschäfte und Menschen. Auch das Naturschutzzentrum findet in Form der Schildkröte „Emy“ als positives Maskottchen seinen Platz. Das Gewerbevereins-Logo und das größere Wilhelmsdorfer Ortsschild ergänzen das Motiv.

Bei der Entwicklung wurde bewusst darauf geachtet, dass die Karikatur auch aus größerer Entfernung und beim Vorbeifahren erkannt werden kann. Deshalb wurde auf ein überladenes „Wimmelbild“ verzichtet.

Die Gemeinde unterstützt die Umsetzung finanziell. Bei der Bannerproduktion beteiligt sich die Gemeinde mit 1.870 Euro an den Kosten. Die restlichen Kosten übernimmt der Gewerbeverein.

 

Banner sind erst der Anfang

Die großformatigen Banner sollen künftig an wichtigen Ortseingängen aufgestellt werden und nicht nur auf den verkaufsoffenen Sonntag hinweisen. Sie sind vielmehr ein dauerhaft einsetzbares Element des neuen gemeinsamen Marketings. Die Karikatur kann darüber hinaus für weitere Werbemittel wie Poster, Einkaufstaschen oder Give-aways verwendet werden.

Damit endet die Konzeption aber nicht bei der Werbung. In den Workshops wurden zahlreiche weitere Ideen entwickelt: Der Wochenmarkt soll stärker belebt, der Saalplatz als Treffpunkt attraktiver werden und zusätzliche Veranstaltungen sollen Gründe schaffen, nach Wilhelmsdorf zu kommen und länger zu bleiben. Angedacht sind unter anderem Aktionen mit Vereinen, Schulen und örtlichen Erzeugern, Angebote rund um Natur und Nachhaltigkeit sowie gemeinsame Veranstaltungen von Handel und Gastronomie. 

Auch der Branchenmix selbst soll erhalten bleiben. Denn genau diese Vielfalt wird von den örtlichen Unternehmern als eine der größten Stärken Wilhelmsdorfs gesehen.

 

Der verkaufsoffene Sonntag am 20. September wird nun zum ersten öffentlichen Auftritt der neuen Marketingstrategie. Er ist damit weniger Ziel als vielmehr der passende Anlass, die neue Botschaft erstmals sichtbar zu machen: Wilhelmsdorf möchte zeigen, was es zu bieten hat – und Menschen aus der Region davon überzeugen, dass vieles tatsächlich auf kurzem Weg zu finden ist.

 

Text und Bild: Herbert Guth